Comments Off on Es ist vorbei, wir sind zurück!

Es ist vorbei, wir sind zurück!
Von teesche

27
SEP

Liebe aufmerksamen Leser,

vielen Dank für das fleißige und interessierte Mitlesen und eure zahlreichen Kommentare. Wir haben uns über jede Botschaft von der Außenwelt sehr gefreut! Gestern Abend sind wir um 22.50 in Hamburg gelandet, zusammen mit unseren Fahrrädern (weswegen ich eine Wette gegen Krischi verloren habe und ihm jetzt ein weitere Überraschungsei schulde). Wir wurden von einigen alteingesessenen Hardcore-Fans, die doch wirklich deutlich zahlreicher erschienen sind, als wir erwartet hatten, sehr herzlich empfangen. Sogar Glückwunsch-Muffins gab es! Was für ein schöner Abschluss.

Drei Wochen sind vorbei, wir hatten eine tolle Zeit und haben viel gesehen und erlebt. Das muss jetzt erstmal verarbeitet werden. Ein kurzer Teaser: Ich habe 24 DIN A4 Seiten in meiner mikroskopischen Schrift mit Tagebuch-artigem Text zugekleistert, den ich in den nächsten Wochen richtig aufbereiten werde. Das wird ein vollständiger Bericht werden, den ich für jeden Interessenten natürlich zur Verfügung stellen werde.

Außerdem gibt es insgesamt noch ungefähr 2.000 Fotos von uns allen, die erstmal gesichtet und dann hochgeladen werden. Wenn das passiert ist, schreiben wir u.a. hier davon.

Also, noch einmal vielen Dank an euch alle! Diese Tour ist übrigens zur Nachahmung empfohlen.

Am Ziel
Von Maddin

24
SEP

Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir liegen in unserem Hotelzimmer in Athen. Nach einem 40km dauerden Höllenritt sind wir im riesigen Athen angekommen. Auf dem Weg dorthin trieben uns wilde Hunderudel, extremer Verkehr und stinkende Abgase an unsere psychischen und physischen Grenzen. Um unsere wahnwitzige Idee mit den Fahrrädern vor der Akropolis zu stehen auszuführen fuhren wir geradewegs dorthin. Leider fanden wir nicht auf anhieb den optimalen Weg und kraxelten mit unseren Rädern über steile und sehr enge Treppen. Tatsächlich erreichten wir nach einiger Zeit den Haupteingang. Leider ließ man uns nicht mit den Fahrrädern passieren, war aber so nett kostenlos auf sie aufzupassen.
So stiefelten wir zu Fuss den legendären Berg hinauf.

Und hier das ultimative Beweisfoto. Wir sind in Athen, dem Ziel der Reise:

Mehr von Griechenland
Von teesche

23
SEP

Hallo!

“Griechisches WLAN
ist so wie das Blut der Erde,
komm log dich ein…”

Überall, an jeder noch so kleinen Tanke oder nem abgeranzten Café gibt es hier kostenloses offenes WLAN. Sehr sympathisch! In den Hotels sowieso, zum Beispiel hier in Elefsina, ungefähr 30 km vor unserem Ziel, Athen.
Wir haben endlich so richtig gutes Wetter! Knapp unter 30 Grad und blauer Himmel, so dass wir vorhin einfach mal baden waren, so am Wegesrand. Mich haben ein paar kleine Fische in die Beine gebissen, bestimmt weil meine Füße so stinken.

Egal, was ist nun schon wieder aus unserem Plan geworden? – mag sich der versierte Leser mit der Etappenplanung im Hinterkopf fragen.

Nämlich folgendes:
Gestern sind wir mittags in Patras angekommen, einer Hafenstadt voller Autos ohne Katalysatoren (das gilt übrigens für ganz Griechenland). Eigentlich ist von Anfang an für den Tag eine Ruhepause geplant gewesen – unsere einzige 🙂
Aber da wir ja sowieso machen, was wir wollen, sind wir noch ein bisschen gefahren. Nach 15 km war da dann ein Café. Mit WLAN. Und Steckdosen.
3 Stunden später ging es dann langsam weiter.

Dann strampelten wir aber noch munter 40 km weiter bis Aegio, und stiegen in einen Bus, Abends um 20:50. Ein paar Bedenken gab es auf beiden Seiten (unserer Seite und der Bus-Koordinatorin-Seite), ob es so eine gute Idee sei, Fahrräder in den Bus zu packen. Haben wir aber dann trotzdem schweren Herzens gemacht. Achja, warum eigentlich? Weil Krischis Füße (wer hätte das gedacht) immer noch nicht wieder okay sind, wir aber gerne trotzdem mit dem Fahrrad in Athen ankommen möchten. Also kürzen wir von Aegio bis Korinthos mit dem Bus ab, und haben als Ergebnis dann noch 2 Etappen á ca. 50 km bis Athen – die perfekte Distanz für Krischi.
Eine Stunde brauchte der Bus, beim Öffnen der Gepäckklappe fiel mein Gepäck raus, und wir zogen die verkeilten Fahrräder raus. Puh, alles noch heil, Glück gehabt. Noch 7 km zum Strand von Loutraki, in ein cooles billiges Hotel, das ich vorher gebucht hatte. Sehr nette Gastgeber, aber leider eine behinderte Dame im Zimmer direkt unter uns, die die ganze Nacht schrie wie ein Wookie. Nach ner Stunde schliefen wir trotzdem ein. Frühstück gab es auch, übrigens nur 53 € für so ein Dreibettzimmer! Und heute ging es dann an der Küste entlang, Berge und Meer und Hitze und Wind. Sehr cool alles. Uns fiel auf, dass wir schon ziemlich viele unterschiedliche Landschaften auf dieser Reise durchfahren haben. Davon zeugen viele, viele Fotos. Meine 4GB Digicam-Speicherkarte ist auch schon voll, gut dass ich noch eine habe.
Jetzt sind wir in einem netten Hotel, empfohlen durch einen coolen Passanten, der per Telefon seine Kumpels nach billigen Hotels fragte.

Und morgen gibt es dann die lang erwartete Ankunft – nur noch 30 km bis zur Akropolis! Fast geschafft!

Wir leben und sind wohl auf.
Von Maddin

22
SEP

Hellas

Ja, wir sind schon in Griechenland. Wir sind heute Mittag mit der Fähre in Patras angekommen. Die Überfahrt war wirklich cool, es war ein wenig wie eine Kreuzfahrt nur ohne Kabine. Wir haben einfach irgendwann auf einem Seitendeck direkt an der Reling unsere Matten und Schlafsäcke ausgepackt und quasi unter freiem Himmel gepennt im Takt zum rauschenden Meer. Was ist davor geschehen?

Kurzer Einschub, internettechnisch ist Italien irgendwo in der DDR hängen geblieben, keine offenen WLANs und sehr teure und langsame Internetcafes. Wir hätten gerne öfter geschrieben. Ich hoffe das wir jetzt öfter Updates bringen können. Weiter im Text.

Nachdem wir in Venedig unsere sieben Sachen zusammen gepackt hatten, sind wir erstmal im strömenden Regen und mit mächtig Gegenwind los gefahren. Nach 60km hatte uns das Wetter weich geklopft, immerhin hatten wir in Italien mit einer Sonnencremeorgie gerechnet und nicht mit Monsum. Die extreme Belastung war trotz den beiden Ruhetagen keine Wohltat für Krischis Füße also haben wir uns entschlossen bis Ancona wieder in den Zug zu steigen. Von Chioggia bis Rovigo haben uns die netten Zugführer dank Sprachbarriere komplett kostenlos mitgenommen. Bis Ancona war die Fahrt dann aber auch recht günstig. In Ancona haben wir uns ein dickes 2 Sternehotel direkt am Bahnhof gegönnt inkl Frühstück. Die 10 maschinell verpackten Croissants die wir zusammen weggehauen haben hatten inkl. ihrer Ekelfüllung den ungefähren Nährwert einer Weintraube. Wahrscheinlich wäre die Verpackung gesünder gewesen. Naja, es gab Kaffee, Tee und für jeden einen Apfel. Dann ging’s weiter, wir waren verabredet. Und zwar wollten wir uns mit meinen Eltern treffen die gerade eine Tour im Wohnmobil durch Italien machten. Der Campingplatz wo wir uns treffen wollten lag etwa 30km hinter Ancona. Nach einer ziemlich entspannten Tour, ein großes Stück davon direkt am Strand entlang haben wir sie dann gefunden. Campingplatz Bellamare. Dann kam der Hammer, wir waren komplett auf Zelten eingestellt, auf einem Campingplatz ja noch ziemlich entspannt, aber meine Eltern haben darauf bestanden uns einen Bungalow zu spendieren. Luxus pur. Nachdem wir unsere Residenz bezogen hatten haben meine Eltern uns erstmal ihre Nudelvorräte plündern lassen. Ein 4 Sternehotel ist nix im Vergleich. Dann, ab in die Adria. Das erste mal im warmen Meer baden. Sehr fett. Im Anschluss haben die beiden uns dann noch den Grill auf die Terasse gestellt und wir haben zusammen gefühlte 100 Kilo Fleisch vernichtet. Es gab sogar Astra und Weizen. Ja, nächstes mal fahren wir gleich mit meinen Eltern im Wohnmobil mit. Nach einem entspannten Plausch in den Abend hinein sind wir dann ab in die Kiste. Morgens nach dem Aufstehen dann nochmal ein Adriabad zum wach werden und ein dekadentes Frühstück, Dann die Räder gepackt zum weiter fahren. Nach einer kleinen Fotosession und einem herzlichen Abschied gingen wir dann wieder getrennte Wege. Meine Eltern sind bereits auf dem Heimweg und wir müssen weiter nach Süden. An dieser Stelle nochmal vielen vielen Dank von uns dreien an meine Eltern, wirklich nobel. Endlich hatten wir auch gutes Wetter. Trotzdem, wir waren gehandicapt und hinterm Zeitplan. Nach rund 100km haben wir dann in Giulianova wieder die Bahn bestiegen um über Pescara nach Bari zu fahren. Eigentlich wollten wir ins Pescara absteigen und übernachten, leider fuhr der einzige Zug mit Fahradabteil zwischen Termoli und Foggia um 6 Uhr morgens. Also mussten wir erstmal weiter fahren bis Termoli, dort waren die Hotels alle so teuer, für 6 Stunden nich so prall und wild campen war auch nich so geil in so ner feinen Gegend. Haben dann am Bahnhof im Warteraum unsere Matten und Schlafsäcke ausgebreitet. Da wir uns unsicher bzgl. der Sicherheit waren, haben wir Wachdienste verteilt, jeder durfte 4 Stunden schlafen und 2 Stunden Wache halten. Ich hab direkt die erste Schicht aufs Auge gedrückt bekommen, von halb 1 bis halb 3. Ziemlich anstrengend. Naja, wir haben’s überlebt. Am Schluss sind wir zwar ziemlich kaputt aber recht günstig durch die Nacht gekommen. In Foggia hatten wir dann unseren ersten Konflikt mit der berüchtigten italienischen Polizei. Ein Beamter, dem man besser keine Marke hätte geben sollen hat uns zusammen gestaucht weil wir unsere Räder nicht durch die Unterführung getragen hatten sondern über extra Wege die direkt über die Gleise geführt haben gefahren sind. Das dort auch andere Leute rüber sind war Nebensache. Auch das wir kein italienisch sprechen war für ihn ein Unding. Nachdem er ne Viertel Stunde wichtigtuerisch mit unseren Ausweisen rumgewedelt hatte und anscheinend keinen Strafenkatalog zu fassen kriegen konnte hat er uns dann gehen lassen. Gerade rechtzeitig um in die Bahn zu steigen. Im Zug noch ne Runde gepennt und dann in Bari angekommen erstmal den Fährhafen gesucht. Hatten noch 6 Stunden Zeit. Nachdem alles geklärt war haben wir dann noch ein wenig in der Stadt rumgehangen, gegessen und eingekauft um dann entspannt auf der Fähre einzuchecken. Der Rest ist Geschichte. Mal sehen was Griechenland so bringen wird. Bis bald und dran bleiben.

Maddin

Schnell schnell schnell
Von Maddin

17
SEP

Bon giorno.

Gruesse aus Venedig. Wir haben nicht viel Zeit, deswegen machen wir es kurz. Hier ist alles teuer, auch das Internet. Wir haben sage und schreibe 2 Stunden gebraucht bis wir ein Internet Cafe gefunden haben, aber jetzt sind wir online. Wir sind hier in der Naehe des Piazza San Marco und es ist schoen hier. Es ist unglaublich wie viele Touristen hier am Start sind, ein Wunder das die Stadt nicht auf der Stelle sinkt. Man kann die tollen Sehenswuerdigkeiten kaum richtig  geniessen weil einfach zuviele Menschen am Start sind. Ausserdem ist alles eine grosse Baustelle und mit Werbung zugehangen. Na ja, aber muss man mal gesehen haben… Morgen gehts dann weiter Richtung Ravenna. Mal sehen wie weit wir kommen, heute Abend kommt erstmal Teesche wieder und darf uns zum Essen einladen nachdem wir das Haus mit der Nummer 1 entdeckt haben 😉

Wenn es wieder leichter wird ins Internet zu kommen melden wir uns wieder.

Gruesse, Krischi und Maddin aus Venezia.

Venedig!
Von teesche

17

Wir haben tatsächlich die Alpen überquert! Ab Toblach in zwei Tagen, einmal 115 km, einmal 118 km. Relativ viel, aber wir wollten einfach endlich schnell ans Meer.

Toblach – Belluno

Das war so: Dienstag morgens sind wir im kalten, nebligen und bewölkten Toblach gestartet, die schöne Strecke verlief mal wieder zwischen riesigen Bergen hindurch, 15 km lang eigentlich nur aufwärts, bis wir die Grenze zwischen Südtirol und Veneto erreichten. Die ist auch der höchste Punkt unserer Tour, mit 1.500 Metern über Null. Alles locker hinbekommen – im Vergleich zu den anderen Bergen bisher war das ein Witz. Und das gute ist: Ab dann wird gerollt! Krischi und ich haben nochmal lautstark unser neues Lied “Es geht nur noch bergauf” angestimmt, und dann gings bergab. Lange hat es sich hingezogen, aber es wurde immer wärmer, immer italienischer und irgendwie immer entspannter. Jetzt fühlt es sich richtig wie Urlaub an. Sonnencreme rausholen, Sonnenbrille auf. Belluno ist ein nette kleine Stadt, in der es sehr schwierig ist, eine Unterkunft zu finden 🙂 – 2 Stunden haben wir gebraucht, bis wir letztendlich bei einer netten Dame halb-privat abgestiegen sind. Geteiltes Bad, und am morgen gab es Frühstück in ihrem Wohnzimmer… ein bisschen surreal, aber sehr nett. Sie gab uns dann auch noch einen Tipp für die Strecke Belluno-Venedig. Wir sollten nicht die 150km Radweg fahren, sondern einfach die 100km Landstraße – weil die ziemlich verlassen sei, seitdem direkt daneben eine Autobahn gebaut wurde. 50km sparen – da sind wir dabei!

Belluno – Venedig

Also wieder früh raus, frühstücken, Räder bepacken, noch schnell ein bisschen Fett auf die Ketten (die Dinger quietschten mittlerweile), und ab Richtung SS51, der alten Landstraße nach Venedig über Vittorio Veneto und Treviso. Erstmal 12km in die falsche Richtung fahren, um die Auffahrt zu finden. Mist. Davon waren dann auch noch ca. 6-8km überflüssig, weil es eine dichtere Auffahrt gegeben hätte. Als wir versehentlich versuchten, eine Autostrada zu befahren, kam zufällig zum Glück gerade ein Autobahnaufseher vorbei und konnte uns von dem Plan abbringen. Eine Stunde später hatten wir die SS51 (Cinquantuno oder so) dann endlich gefunden, und es ging am See entlang, ein bisschen bergauf, kurvig, dann wieder bergab erstmal bis Vittorio Veneto. Sehr schön und sehr leer. Ab dann wurde es aber nervig. Nicht mehr enden wollende Industriegebiete, alles voller LKW, völlig langweilige, schnurgerade Strecke ohne Steigungen. Zu dem gab es den ersten Platten! Maddin ist der glückliche, dessen Reifen gewechselt werden musste. Aber der geübte Radler Maddin brauchte keine 20 Minuten dafür. Jetzt bekommt er von uns beiden Überraschungseier – für den ersten Platten der Reise.

Wir fühlten uns 60km lang wie Maschinen auf Ergometern. Einfach nur treten, kein Stück Abwechslung. Aber irgendwann, nämlich um 18:30, war das dann auch endlich vorbei, und plötzlich war sie da: Die Brücke nach Venedig! Fotos gemacht, und rübergefahren. Auf dem Weg kam uns Sylvester Stallone joggend entgegen. Tja, und dann standen wir da, auf dem Piazzale Roma, mit den ganzen Bussen. Und wussten nicht, wohin. Touristeninfo hatte natürlich wieder gerade eben zu gemacht, wir hatten wieder keine Lust auf Campen, und Internet gabs auch nicht. Zudem sind die Leute hier in den Geschäften auch nicht erfreut, Touris zu sehen und versuchen gleiche zu helfen, sondern sind einfach nur genervt und wollen Feierabend. Wir stehen also vor einem Problem. Keine Lust auf 400 Euro für ein Hotelzimmer, aber Bett und Dusche sollten es schon sein. Also treiben wir unsere Handyrechnungen ziemlich in die Höhe und fragen zuhause nach – mehrere nette Leute (darunter Maddins Papa, Krischis Papa, und Sophie) suchten lange für uns im Netz nach Unterkünften, was aber auch nicht so leicht war. Die Stimmung war sehr gereizt, vor allem Krischi wollte einfach nur noch ins Bett. Irgendwann auf einem weiteren kurzen Ausflug traf Maddin dann zufällig einen netten alten Herren, der uns ein Doppelzimmer für 80 Schleifen anbot. Naja, nachdem Maddin verhandelt hatte… 🙂 Dafür bekamen wir gleich noch Erdbeerwein und Pizza ausgegeben, und durften in seine Poesie-Bücher schreiben, die voller außerordentlich positiver Beiträge aus aller Welt waren. Hier sind wir richtig. Zimmer auch super. Klein, renoviert, funktional. Im Schrank steht sogar ein drittes Klappbett für mich! Aber ich bin illegal hier, denn ich habe morgen früh etwas anderes vor: 6:55 geht mein Flieger über Paris nach Hamburg, ich gönne mir einen Tag mit meiner Freundin. Die Zeit ist einfach zu lang. Freitag mittags dann wieder zurück nach Venedig und weiter geht’s. Wir also schnell geduscht, und dann rein in die ehemalige Weltmetropole. Zu Fuß zur Rialto-Brücke, Pizza essen an der Frari-Kirche und dann auf dem Markusplatz abhängen – das Standard-Programm. Hier auf dem Markusplatz kam es dann zur Ausführung unserer Deals: Ich rauche meine letzte Zigarette. Wenn es nicht die letzte ist, muss ich die Etappe Patras-Korinthos mit der Bahn fahren und dabei das gesamte Gepäck von Maddin&Krischi mitnehmen. Eine ziemliche Strafe. Bisher (Freitag, 8:12 Uhr) hab ich gewonnen. Bis 2 Uhr nachts lagen wir noch auf dem Markusplatz rum, erzählen uns Quatsch und scherzten rum, Maddin routete dann den Weg zum Hotel mit seinem GPS, 35 min später waren wir da, und ab ins Bett!

Wie geht’s weiter? Wird es langweilig in Italien, weil die Strecken so flach sind? Müssen wir nochmal Bahn fahren? Kommen wir rechtzeitig in Bari an, um die Fähre zu kriegen? Wer von uns wird als erstes pleite sein? Das wird sich in den nächsten Blogeinträgen alles klären… 🙂

Natters, Brenner, Franzenfeste, Toblach
Von teesche

13
SEP

Yuchu! Wir leben noch!

Natters (Freitag, 10.9.)

Nachdem wir in Natters (kurz hinter Innsbruck) mal wieder einen derben Deal in einem Gasthaus rausschlagen konnten (“Wir haben doch so ein kleines Budget, weil wir arme Studenten sind!”), konnten wir dort eine Nacht mal wieder im richtigen Bett schlafen – und, viel wichtiger: hatten eine Dusche. Optimale Vorbereitung für die vorerst härteste Etappe: Die Brenner-Überquerung, indem wir abends erstmal, um Geld zu sparen, mit unserem Campingkocher auf dem Balkon Gnocchi zubereitet haben. Die Dame des Hauses, die uns sowieso schon diesen guten Deal gemacht hat, hat dann auch noch unsere Wäsche kostenlos gewaschen, wohl entweder, weil sie so viel Mitleid hatte, oder (wahrscheinlicher), weil wir wirklich sehr gestunken haben. Leider hat sie dafür auch ein paar Socken und eine Mütze verschwinden lassen. Macht nichts. Einmal noch gut durchschlafen, und ab geht’s:

Natters – Brenner – Franzenfeste (Samstag, 11.9.)

Der Wecker klingelte um 7, denn wir haben uns viel vorgenommen. Zum Brenner geht es ab hier (Natters) 35 Kilometer lang durchgehend bergauf – von 600 Höhenmeter auf 1.400. Wir haben damit gerechnet, dass wir bestimmt 6-7 Stunden brauchen werden. Aus irgendwelchen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, als die Jungs eine Pause machten, einfach schon mal vorzufahren. 10 Kilometer (etwa 45 Minuten) später, habe ich an einer Bushaltestelle auf Krischi und Maddin gewartet, die dann ein paar Minuten später ankamen. Ich war davon ausgegangen, dass sie mich locker sofort einholen würden. Aber kein Stück. Die Taktik gefiel mir gut, und so bin ich wieder mit ein paar Minuten Vorsprung weitergefahren. Und plötzlich, keine 2 Stunden später, war da das Schild “Brenner”. Reine Fahrzeit: 2:14 Stunden. Ich konnte es selbst gar nicht glauben, so einfach war das. Die beiden kamen etwa 10 Minuten später an, weil sie mehr Pausen als ich gemacht hatten.

Daraufhin war ich so gut drauf, dass ich sie erstmal zu einer Siegespizza da oben auf dem Pass einlud. Wir hatten ja zudem noch eine weitere Staatsgrenze erreicht, der Pass teilt Österreich und Italien.

Die folgende Strecke bis Franzenfeste sollte laut unserem schlauen Alpenbuch eigentlich fast nur bergab gehen (irgendwie logisch), aber so leicht war das gar nicht. Immer wieder haben kurze, aber steile Anstiege genervt, so dass wir für die ca. 40 km dann doch noch einige Stunden brauchten. Okay, wir haben auch einmal eine falsche Abzweigung genommen, die uns noch etwa 10 zusätzliche Kilometer reindrückte. Heute abend sollte wieder ein billiger Tag werden, weil wir die letzten Tage zu viel Geld ausgegeben hatte, also ging es zu einem Campingplatz. Der war äußerst kurios. Merkwürdiges Publikum, eine Lage in einem Tal direkt neben Güterbahnstrecke, Autobahn, und Landstraße, es gab keine planen Ebenen zum Zelten, und so ganz billig war der auch nicht. Wenigstens eine Dusche gab es. Und ganz akzeptables Essen.

Für mich war es wieder eine durchfrorene Nacht, weil ich immer noch meinen Sommerschlafsack dabei habe… in der Hoffnung, dass es irgendwann mal wärmer wird. Aber auch hier, in Südtirol, ist es nachts noch nicht so warm.

Franzenfeste – Toblach (Sonntag, 12.9.)

Jetzt folgte eine weitere, sehr schwierige Alpenetappe, zwar nur 65 km lang, aber von 700 Höhenmetern auf 1.200 hoch, im Prinzip die ganze Zeit. Unser Alpenführer, aus dem wir die Tour geplant haben, hat ein Bewertungssytem für die Schwierigkeiten der einzelnen Strecken. Für Innsbruck-Brenner war das eine 5 auf einer Skala von 1 bis 5, und von Franzenfeste nach Toblach sollte es eine 4 sein. Also gingen wir optimistisch daran, denn so schwierig war der Brenner ja gar nicht. Tja, schade. Gefühlt war das ungefähr eine 7.

Das Wetter ist dafür endlich richtig gut. Sonnig, blauer Himmel und angenehm warm. Endlich kann man ohne lange Hose fahren.

“Krischi, sag nochmal irgendwas über die Toblach-Tour gestern!” – “Auf.. und ab… und auf… und ab…”

Ungefähr so. Aber auch das war irgendwann geschafft, und wir erreichten mal wieder unseren vorher geplanten Zielort. Das war die dritte Alpenetappe, die wir jetzt komplett durchgezogen haben, und Krischis Füße machen noch ganz gut mit, auch wenn sie nach zwei Radtagen schon ziemlich mitgenommen sind. Von daher haben wir uns dazu entschlossen, noch einen Ruhetag einzulegen, damit die Entzündung nicht wieder schlimmer wird. Nach ein paar Versuchen haben wir dann auch die richtige Ferienwohnung für uns gefunden. Deutlich günstiger als der Schnitt in diesem Ort zu sein scheint, und im Wohnzimmer steht ein Kinder-Kicker. Gewonnen! Toblach ist ein kleines, von der Außenwelt ausgeschlossen zu sein scheinendes Dorf mit Feldern und Wiesen um sich herum, die in Berge münden. Hübsch auf jeden Fall. Hier verbringen wir nun also gerade einen Ruhetag, jetzt sind wir in einer Bibliothek, die Internet anbietet – zu horrenden Preisen zwar, aber das geht schon.

Morgen geht es dann wohl weiter nach Belluno, über Cortina, wo dann endgültig nur noch Italienisch gesprochen wird. Mal sehen, wie das mit dem Bezirzen der Appartment-Ladies für günstigere Konditionen dann klappt…

Und dann ist es auch nur noch eine Tagestour bis nach Venedig (falls wir die nicht in zwei Touren splitten, um Krischis Füße zu entlasten) – dann war es das mit den Alpen! So richtig im Zeitplan sind wir eigentlich nicht, aber den haben wir sowieso schon längst über den Haufen geworfen. Auf eine kurze Bahnfahrt in Italien wird es wahrscheinlich noch hinauslaufen, aber das ist alles nicht so wild – denn wir haben dann ja die Alpen ohne motorisierte Hilfe geschafft.

Wer weiß, wann wir wieder Internet haben, also kann es noch ein paar Tage dauern, bis wir uns melden. Viele Grüße an alle Mitleser!

Eine Abfahrt & Innsbruck
Von Maddin

10
SEP

Grüße aus Innsbruck

Als wir gestern ausversehen an Wiesing vorbei gerauscht sind nachdem wir mit knapp 70 kmh eine steile Abfahrt bis Jenbach mitgenommen hatten, haben wir uns entschlossen bis Innsbruck durchzufahren. Krischi ging es gut und nach einer garnicht so anstrengenden Alpenetappe hatten wir Lust noch etwas weiter zu fahren. Da wir nach unserer Bahnfahrt und dem 4 Sternehotel relativ viel Geld ausgegeben hatten, haben wir einen Cheapday ausgerufen und… Tada, durchgezogen, sagenhafte 2 Euro hat uns der gestrige Tag gekostet. Im Reiseführer und aus Erfahrung wussten wir dann aber das Innsbruck recht teuer werden wird. Also haben wir etwa 10km vor Innsbruck einen Bauern gefragt ob wir nicht auf einer seiner Wiesen campen dürfen. Hat auf anhieb geklappt, gepaart mit 3 Dosen Ravioli haben wir ne menge Kohle gespart. Angekommen in Innsbruck haben sich unsere Befürchtungen dann bestätigt, teuer teuer teuer. Also haben wir uns dazu entschlossen weiter zu fahren bis Natters, dort ein Hotel klar zu machen und morgen dann locker flockig den Brenner hoch zu radeln. Soweit alles gut, wir melden uns wenn wir mal wieder ein offenes WLan wie dieses hier finden 😉

Grüße an alle

On the Fahrradweg again
Von Maddin

09
SEP

Wir müssen mal etwas Mut machen, wir haben Spaß. Trotz aller Widrigkeiten kommen wir endlich wieder voran und chillen gerade am Sylvensteinstausee nahe der Österreichischen Grenze. 25 km haben wir schon abgerissen und Krischis Sehnen und Teesches Beine halten soweit. Gleich gehts weiter, tiefer in die Alpen. Es wird noch steil, aber wir sind guter Dinge, Krischi singt schon wieder den ganzen Tag. Und wir haben ja dank der Bahnetappe etwa 2 Tage Vorsprung und somit Gelegenheit etwas lockerer an die Sache ranzugehen. Das ist übrigens der letzte Eintrag vor der Grenze, danach wirds dank Scheiß Datenroaming leider etwas sporadischer mit unseren Blogeinträgen. Ach und Teesche sagt, schockt derbe das wir immer soviel Feedback von euch bekommen. Das motiviert.

Hals und Beinbruch. Bis bald.

Anaphylaktischer Schock
Von teesche

09

Finalgon heißt das Teufelszeug.

Eigentlich ist es noch nicht soweit getestet, dass es auf dem Markt frei verfügbar sein sollte. Und eigentlich soll es entkrampfend wirken und Muskelkater verschwinden lassen. Als ich meine kompletten Beine damit eingeschmiert hatte, war mir nur ein kleiner Teil des Beipackzettels klar, der wichtigste Punkt, dass man nämlich nur eine erbsengroße Menge pro handtelllergroßer Hautfläche verwenden sollte, zum Beispiel nicht. Ich drückte die Tube quasi auf meinen Beinen aus und massierte es gründlich ein.

Was dann passierte, war folgendes: nach 5 Minuten fing es langsam an zu brennen, immer stärker werdend und letztendlich so sehr, dass ich versuchte, das Zeug wieder abzuwischen und mich dann in die kalte Dusche stellte und die Beine kühlte. Nach und nach half das kaum noch, und ich fing an wie auf Drogenentzug zu zittern. Krischi lachte sich anfangs noch schlapp, aber die Sache wurde ernster. Ich konnte mich kaum noch aufrecht halten, krümmte mich vor Schmerzen und bibberte unkontrolliert. Jetzt fühlte es sich so an, als hätte ich den härtesten Sonnenbrand meines Lebens auf den gesamten Beinen, und als würde ständig jemand mit ner flachen Hand überall mit voller Kraft draufschlagen. Maddin kam aus seinem Einzelzimmer runter um sich das anzuschauen. Die beiden bekamen richtig Angst, weil ich wie ein Drogenopfer im Bett lag und kaum reden konnte. Sophie empfahl dann am Telefon nasse Handtuchwickel, die Maddin alle paar Minuten erneuerte, aber die nur für ein paar Sekunden vom Schmerz ablenkten…

Doch dann hatte ich Glück: in der Anleitung war die Rede von einer 3-6 Stunden anhaltenden Wirkung, und ich hatte mich schon auf eine sehr unentspannte Nacht eingestellt. Aber nach etwa einer Dreiviertelstunde war der Spuk dann langsam vorbei, und ich hatte eine weitere neue Grenzerfahrung gemacht. Die stärksten Schmerzen, an die ich mich erinnern kann! Zwei Erkenntnisse: Beipackzettel immer komplett lesen, und Finger weg von Finalgon!